Künstliche Lichtquellen und deren erwartete Folgen.
Drei Nächte lang konnte ich Photonen der Sonnenblumen-Galaxie (NGC 5055 / M63) sammeln – allerdings unter einem Himmel mit einer Bortle-Klasse von 7+, möglicherweise sogar noch schlechter.
Auf sämtlichen Masterbildern zeigt sich ein massiver Hintergrundgradient, verursacht durch die extreme Lichtverschmutzung in meinem Quartier. Der Hintergrund wirkt dadurch alles andere als sauber und lässt sich nur mit erheblichem Bearbeitungsaufwand halbwegs in den Griff bekommen.
Eigentlich darf ich mich darüber gar nicht wundern. Bei einer solchen Flut an Streulicht wären Emissionsnebel vermutlich die deutlich sinnvolleren Aufnahmeobjekte. Mit Schmalbandfiltern wie dem Optolong L-eXtreme oder L-eNhance lässt sich die Lichtverschmutzung wirksam reduzieren, wodurch der Hintergrund wesentlich ruhiger wird und Gradienten deutlich weniger stark ausfallen.
Für Galaxien sieht die Sache leider anders aus. Da hilft nur eine möglichst saubere Kalibration und eine sorgfältige Bildbearbeitung. In PixInsight habe ich meinen Workflow deshalb um den ArcsinhStretch erweitert. Damit kann ich den Schwarzpunkt etwas kontrollierter ausarbeiten, sodass die starken Gradienten im Hintergrund nicht ganz so dominant erscheinen. Sicher gibt es dafür noch bessere oder elegantere Methoden – ich bin für Tipps jederzeit offen.

Die GradientCorrection führe ich bereits im linearen Bildzustand durch. Auch MultiscaleGradientCorrection MGC in Kombination mit einer vorgängigen SPCC Spectrophotometric Color Calibration habe ich mehrfach ausprobiert. Bis jetzt haben mich die Resultate allerdings noch nicht wirklich überzeugt.
Ich komme langsam zu dem Schluss, dass für zukünftige Galaxienprojekte wohl kein Weg an einem dunkleren Beobachtungsstandort vorbeiführt. Meine private Balkon-Sternwarte leistet zwar Erstaunliches, doch bei einer Bortle-Klasse von 7+ stösst selbst eine sorgfältige Bildbearbeitung irgendwann an ihre Grenzen. Ein Himmel mit Bortle 4 oder sogar Bortle 3 würde die Gradienten und die störenden Hintergrundartefakte von Anfang an deutlich reduzieren.
…..genau das macht Amateurastronomie aber auch spannend: Man versucht, selbst unter schwierigen Bedingungen noch das Maximum aus den vorhandenen Daten herauszuholen – und jedes gelungene Bild fühlt sich dann umso mehr wie ein kleiner Erfolg an.
Deklination: +42° 01′ 45″
Bortle-Skala: 7+ | ~18.42 mag/arcmin2
Öffnung: 203mm
Öffnungverh.: F/10
Kamera: ZWO ASI290mm
Pixel: 4.63µm
ACD: 14 bit
Mass: 19.1 x 13mm
Auflösung: 4144px x 2822px
CMOS Temp.: -10°C
GAIN: 120
Offset: 30
Flat: 25
Darkflat: 25








